Das EMST150 ist in einer Vielzahl von Indikationen untersucht und hat seine Wirksamkeit unter Beweis gestellt. Hier stellen wir Ihnen eine Übersicht über verschiedene Anwendungsgebiete sowie die dazugehörigen Literaturverweise zur Verfügung.

M. Parkinson

Schluckstörungen bei Morbus Parkinson sind sehr häufig, klinisch relevant und werden vom Betroffenen oft nicht bemerkt. In zwei klinischen Studien konnte die Effektivität des EMST150 auf die Dysphagie bei idiopathischem M. Parkinson demonstriert werden. Eine Pilotstudie an 10 Patienten wies objektivierbare Verbesserungen in bildgebenden Parametern in der Videofluoroskopie nach (1). In einer prospektiven, placebo-kontrollierten, verblindeten Studie mit 60 Patienten wurde in der EMST150-behandelten Gruppe eine signifikante Verbesserung der Schluckfunktion erreicht, was mit einer verbesserten Motilität der suprahyoidalen Muskulatur verknüpft war (2). Wesentliche Effekte sind auch über mehrere Monate nach Ende des Trainings noch nachweisbar (3). Damit existiert für das EMST150 Evidenz der Klasse 1 in der Behandlung der Parkinson-assoziierten Dysphagie und hat Eingang in die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN 2016) gefunden. Auch in der Leitlinie der European Society for Clinical Nutrition and Metabolism (ESPEN 2018) wird es als Übungsverfahren bei Parkinson explizit empfohlen (4). Zudem führt Training mit dem EMST zu dosisabhängigen Verbesserungen und zu besserer Mobilität im PDQ-39 (5). Damit führt das EMST150 zu mehr Sicherheit und Mobilität!

Referenzen

1) Pitts, T., Bolser, D., Rosenbek, J., Troche, M., Okun, M. S., & Sapienza, C. (2009). Impact of expiratory muscle strength training on voluntary cough and swallow function in Parkinson disease. Chest, 135(5), 1301-1308.

2) Troche, M. S., Okun, M. S., Rosenbek, J. C., Musson, N., Fernandez, H. H., Rodriguez, R., ... & Sapienza, C. M. (2010). Aspiration and swallowing in parkinson disease and rehabilitation with EMST A randomized trial. Neurology, 75(21), 1912-1919.

3) Troche, M. S., Rosenbek, J. C., Okun, M. S., & Sapienza, C. M. (2014). Detraining outcomes with expiratory muscle strength training in Parkinson disease. Journal of rehabilitation research and development, 51(2), 305.

4) Burgos, R., Bretón, I., Cereda, E., Desport, J. C., Dziewas, R., Genton, L., ... & Poulia, K. A. (2018). ESPEN guideline clinical nutrition in neurology. Clinical Nutrition, 37(1), 354-396.

5) Kuo, Y.-C., Chan, J., Wu, Y.-P., Bernard, J. R., & Liao, Y.-H. (2017). Effect of expiratory muscle strength training intervention on the maximum expiratory pressure and quality of life of patients with Parkinson disease. NeuroRehabilitation, 41(1), 219–226.

COPD

Das Training mit dem EMST150 kann auch bei Patienten mit schwerer COPD (GOLD III-IV) zu einer deutlichen Kräftigung der Atemmuskulatur führen. Dies führte in einer placebokontrollierten Studie bei den mit EMST150 behandelten Patienten zu einer deutlichen Verbesserung und Reduktion von Symptomen wie Atemnot in Ruhe und Belastung ebenso wie zu verbesserter körperlicher Leistungsfähigkeit. Auch die Lebensqualität konnte deutlich gesteigert werden. Alle Erfolge korrelierten signifikant mit dem erreichten Zuwachs an Ausatemdruck (1). Aus der Studie:

"The main finding of the present study is the significant improvement in dyspnea at rest, health-related quality of life, and timed walking distance in COPD patients following a short expiratory muscle training period. Most of these changes were proportional to the improvement in expiratory muscle strength. It should be noted that improvements in SGRQ scores and walking test distance were not only statistically significant but also should be considered clinically relevant."

Referenzen

1) Mota, S., Güell, R., Barreiro, E., Solanes, I., Ramírez-Sarmiento, A., Orozco-Levi, M., ... & Sanchis, J. (2007). Clinical outcomes of expiratory muscle training in severe COPD patients. Respiratory medicine, 101(3), 516-524.

2) Weiner, P., Magadle, R., Beckerman, M., Weiner, M., & Berar-Yanay, N. (2003). Specific Expiratory Muscle Training in COPD*. Chest, 124(2), 468–473

Obstruktive Schlafapnoe

Ein kurzes Training mit dem EMST150 konnte in einer randomisierten, kontrollierten Studie an 25 Patienten mit Obstruktiver Schlafapnoe die Ausatemkraft verbessern, und parallel dazu die Anzahl an Apnoephasen reduzieren sowie die Schlafqualität verbessern. Der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) sank in dieser Studie um 40%. Zudem stieg die Schlafqualität um 26% - beide Unterschiede waren signifikant im Vergleich zur Kontrollgruppe (1). Für Therapeuten interessant: die Verbesserung im AHI korrelierte linear mit dem Zuwachs an maximalem Ausatemdruck. So können Sie den Therapiefortschritt leicht dokumentieren.

Referenzen

1) Kuo, Y.-C., Song, T.-T., Bernard, J. R., & Liao, Y.-H. (2017). Short-term expiratory muscle strength training attenuates sleep apnea and improves sleep quality in patients with obstructive sleep apnea. Respiratory Physiology & Neurobiology, 243, 86–91.

Ischämischer Schlaganfall

In einer Studie zu Patienten mit subakutem ischämischem Schlaganfall mit n=33 wurden in der EMST150-Gruppe signifikante Verbesserungen in hyolaryngealer Funktion und Schlucksicherheit für einzelne Konsistenzen gesehen, die in der Placebogruppe ausblieben (1). Aufgrund des Wirkmechanismus könnte das EMST150 besonders bei Patienten mit gestörter Anterior-Superior-Verlagerung des Hyoid-Larynx-Komplexes und/oder gestörter Öffnung des Oberen Ösophagussphinkters wirksam sein, wie es häufig beim sogenannten Wallenberg-Syndrom (Infarkt der dorsolateralen Medulla oblongata) der Fall ist (2).

Referenzen

1) Park, J. S., Oh, D. H., Chang, M. Y., & Kim, K. M. (2016). Effects of expiratory muscle strength training on oropharyngeal dysphagia in subacute stroke patients: a randomised controlled trial. Journal of oral rehabilitation, 43(5), 364-372.

2) Klinkhammer, J., Werner C. J. & Schumann, B. (2018). Wirksamkeit des Expiratory Muscle Strength Trainings (EMST) bei Dysphagie nach Hirnstamminfarkt – eine Pilotstudie. Jahrestagung der Deutschen Interdisziplinären Gesellschaft für Dysphagie, München (Vortrag).

Multiple Sklerose

Schluckfunktion und vor allem Schlucksicherheit, auch beim Speichelmanagement, verbesserten sich signifikant bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) durch Training mit dem EMST150. Damit ging eine Verbesserung in der Lebensqualität einher, was Schluckfunktion und Symptomlast angeht.

Referenzen

Silverman, E. P., Miller, S., Zhang, Y., Hoffman-Ruddy, B., Yeager, J., & Daly, J. J. (2017). Effects of expiratory muscle strength training on maximal respiratory pressure and swallow-related quality of life in individuals with multiple sclerosis. Multiple Sclerosis Journal – Experimental, Translational and Clinical, 3(2), 205521731771082.

Ältere Menschen

Sarkopenie (= altersbedingter Muskelabbau), Schluckstörungen und Kraftverlust führen im Alter oft in eine gefährliche Abwärtsspirale, die zu Gebrechlichkeit, Behinderung und Tod führen kann. Das EMST150 kann in dieser Situation bei älteren Menschen zu einer deutlichen Verbesserung von Ausatemkraft, Hustenfunktionsparametern (1) und verbesserter Funktion von schluckrelevanten Muskeln führen (2) und so helfen, diesen altersassoziierten Komplikationen vorzubeugen.

Referenzen

1) Kim, J., Davenport, P., & Sapienza, C. (2009). Effect of expiratory muscle strength training on elderly cough function. Archives of Gerontology and Geriatrics, 48(3), 361-366.

2) Park, J. S., Oh, D. H., & Chang, M. Y. (2017). Effect of expiratory muscle strength training on swallowing‐related muscle strength in community‐dwelling elderly individuals: a randomized controlled trial. Gerodontology, 34(1), 121-128.